Interview SDL15 – Reaktionen eine Zuschauers: „Ziemlich amüsant … sehr überraschend“

Die 17. Nachdenkerei …

 … handelt vom Stück Pünktchen und Anton, dass die- Baden-Württembergische Gruppe aufgeführt hat. Constanze hat sich mit dem Zuschauer Gregor Hausmann über die Inszenierung unterhalten, die sich stark am gleichnamigen Stück von Erich Kästner orientiert. Gregor, der gar nichts mit dem SDL zu tun hat, war sehr angetan.

// von Constanze Wirsing

Constanze: Gregor, wir haben uns gerade das Stück Pünktchen und Anton angeschaut. Was ist dir besonders aufgefallen?

Gregor: Besonders aufgefallen ist mir die Zusammenarbeit: Alle waren permanent in die Handlung involviert. Die Erzählerstimme wurde zum Beispiel aufgesplittet und die Schüler haben abwechselnd die Sätze vervollständigt. Die verschiedenen Stimmungen wurden so durch alle verdeutlicht. Durch das wilde Rumgerenne und Durcheinandergerede an manchen Stellen, entstand auf der Bühne das Bild einer lauten Großstadt.

Constanze: Das ist mir auch aufgefallen. Besonders gut fand ich, dass versucht wurde, je nach Rolle zu agieren, obwohl die Rolle zu dem Zeitpunkt noch keinem bestimmten Darsteller zugeordnet war. Als es um die eingebildete Frau Pogge ging, sind alle ganz staksig gelaufen.

Gregor: Ja, und als es um Herrn Pogge ging, traten sie mit ihren Stimmen und Gesten bestimmter auf. Außerdem hat mir gefallen, dass der Requisitengebrauch so gering war und alles mehrfach verwendet wurde.

Constanze: Stimmt, die Schulbänke waren mal Schulbänke, mal die Weidendammer Brücke oder der Esstisch bei Pogges zu Hause.

Gregor: Auch die Kleinigkeiten wie Sonnenbrille und Tücher wurden immer weitergereicht.

 Constanze: Einerseits ist das für die Gruppe im Vorfeld bestimmt ein geringerer Aufwand, weil man sich weniger Sachen besorgen muss. Andererseits entsteht auch ein größerer Aufwand, weil man überlegen muss, welcher Gegenstand für wie viele Szenen und als was benutzt werden kann. Und wo er in dem Moment, in dem man ihn braucht, auf der Bühne zu finden ist. Aber ich hatte das Gefühl, die Schüler hatten großen Spaß dabei.

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Gregor: Auf jeden Fall! Man hat ja gemerkt, wie sie manchmal mit einem Lächeln ihre eigenen Rollen und die der anderen beobachtet haben. Das überzogene Darstellen der Charaktere war für beide Seiten ziemlich amüsant. Was ich dabei gut fand war, dass sie trotzdem sehr sicher in ihren Rollen wirkten. Es herrschte eine gewisse Professionalität, was ich für Schultheater sehr überraschend fand. Das war übrigens das erste Stück, was ich ich hier gesehen habe.

Constanze: Kennst du eigentlich die Vorlage von Erich Kästner?

Gregor: Nein. Aber ich will das Buch jetzt lesen! Das Stück hat mein Interesse sehr geweckt.

Constanze: Das lohnt sich auch wirklich. Kästner hat so einen lockeren, lustigen Schreibstil. Dadurch, dass diese witzige Erzählerstimme auch im Stück vorkam, stellte sich das auch gut heraus. Es wurden ja auch einige seiner „Nachdenkereien“ miteingebracht, in denen er im Buch moralische Hintergedanken äußert. Kam dir das Stück besonders moralisch vor?

Gregor: Da muss ich überlegen … Für mich war eigentlich erst zum Schluss der moralische Appell vorhanden, nachdem Anton die Haushälterin anrief, um ihr zu sagen, dass die Pogges überfallen werden sollen. Daraufhin erlebte der Vater selbst diesen Aha-Effekt.

Constanze: Welcher war das deiner Meinung nach?

Gregor: Dass Menschen unabhängig ihres finanziellen Hintergrunds und ihres Standes anderen Menschen helfen und mit Nächstenliebe behandeln. Den zweiten moralischen Appell gab‘s, als Pünktchen ihre Mutter dafür gerügt hat, dass sie keine Zeit für sie hat, obwohl sie nicht arbeiten geht.

Constanze: Zwei Welten werden gegenübergestellt: Anton, der seine kranke Mutter unheimlich unterstützt und Familie Pogge, in der sich ein zwielichtiges Kindermädchen um Pünktchen kümmert. Und obwohl der Roman von Kästner schon 1931 erschien, hat der Inhalt traurigerweise Aktualität. Die Aufführung dieses Stückes erscheint mir daher ziemlich wichtig. Danke, Gregor, für das Gespräch! Ich wünsche dir noch viele gute Aufführungen.

Quelle: Constanze Wirsing, „Die 17. Nachdenkerei“, in: Offizielle Festivalzeitung des SDL2015 – #forschfuffzn (2. Ausgabe), Hrsg. von Sächsisches Staatsministerium für Kultus (SMK), Dresden, 2015, S.17.

Publizierung der Fotoimpressionen vom SDL15 hier auf dem Blog mit freundlicher Genehmigung vom Schultheater der Länder 2015; Fotograf: Christof Heinz.

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